Mittwoch, 4. August 2010

Steuerdeutsch…

So kann man auch zu einer Torte kommen – eine Freundin stand zum ersten Mal vor dem „Problem“ Steuererklärung.
Und bekam schon bei der ersten Zeile eine Panikattacke – Ist sie „Ehemann“, „Steuerpflichtiger“ oder „Ehefrau“?
Nachdem ich sogar meine Mutter durch den vermeintlichen Dschungel Steuererklärung gelotst habe, dachte ich mir: Die kriegen wir da auch durch. Und so war es auch – keine Stunde (und das mit allen Erklärungen und das ganz dann nochmal sauber ausfüllen).
Warum hält sich eigentlich das offenbar vererbte Gerücht, daß das ganze geheimnisvoll, superschwer, kompliziert und überhaupt vor allem gemein ist?
Natürlich sind es viele Seiten, viele Kästchen, einige Formblätter….. ich habe immer das Gefühl: Die Leute kriegen die Formulare – gucken drauf – erschrecken, finden es furchtbar und legen es entsetzt beiseite und bezahlen möglicherweise eine Profi, der das dann erledigt.
Wie sieht die Realität aus?
Geht man das Ganze mal ganz langsam an – was stellt sich heraus?
Single Monika Mustermann mit kleinem Einkommen und dem Job um die Ecke, den sie zu Fuß erreicht:
Füllt aus das erste Blatt – da kommt nicht mehr rein, als sie für ihre Payback-Karte ausgefüllt hat – im Grunde Name, Adresse, Geburtsdatum und Kontoverbindung.
Steuernummer bekommt man ja – Ident-Nummer hat einem das Finanzamt geschickt – und eTin steht auf dem Blatt, auf dem der Arbeitgeber das Einkommen bescheinigt.
Unterschrift und Seite 1 im Grunde erledigt.
Seite 2 – da wollen die wissen – was gibt man noch mit ab? Der ledige Arbeitnehmer meist nur: Anlage N – N für NICHTSELBSTSTÄNDIGE Arbeit, vielleicht für den Sparvertrag Anlage KAP (raffiniert: KAPITAL).
KAP ist ganz einfach – weil man von seiner Bank schon eine Bescheinigung bekommt, auf der genau die Zeilennummer des Finanzamtformulars steht, in die der entsprechende Betrag rein muß. Wo ist also die Kunst, 3 Beträge von einer Bescheinigung in die vermerkten Zeilen zu übertragen? Einsichtig, daß oben drauf – wie seinerzeit in der Schule auf Arbeitsblätter – Name und Steuernummer gehören….das war es schon.
Anlage N ist etwas gemeiner – aber man hat doch die Bescheinigung des Einkommens – dort ist alles wörtlich so formuliert – wie das Finanzamt es abfragt. „wenns gleich klingt, ist es vermutlich auch da richtige Feld“.
Und was sind die ominösen Werbungskosten? Letztlich alles, womit ich mich für meinen Job qualifizieren (womit ich für mich Werbung mache):
Der Weg, den ich zurücklege, die Technik, die ich vorhalte, Bewerbungen, Wegekosten zu Bewerbungsgesprächen, aber auch das Konto, daß ich fürs Gehalt vorhalte.
Und sollte all das zusammengerechnet unter 920 € liegen, brauche ich das nichtmal aufführen – das wird automatische berücksichtigt.
Das war es schon – Belege dran als Beweis und gut.
Für 80 % der Bevölkerung ist es damit getan (ich weiß, es gibt ganz viele andere Fälle, Sonderfälle, Zusatzblätter – natürlich – man MUSS für alle Fälle ein Feld haben – aber die meisten Menschen MÜSSEN damit einfach nichts anfangen).
Woher also die kollektive Panik?
Zudem alle Jahre wieder jeder Discounter auch noch für 5 Euro ein Programm anbietet, daß im Frage und Antwort Modus diesen und noch erheblich komplexere Steuerfälle löst.
Mir hat es eine Torte eingebracht (yummie) – vielleicht einem Steuer-Paniker nun die Angst genommen (nächstes Jahr braucht sie nur die neuen Daten nach der Vorlage eintragen).
Mein Vater hat drauf bestanden, daß ich seit dem ersten verdienten Geld die Steuererklärung selbst mache – über die Jahre wurde es komplizierter – viel komplizierter – aber es war immer „ein Schritt weiter“.
Also: keine Panik!

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