Wir suchen gerade einen Auszubildenden (egal ob m/w). Und immer wenn´s so weit ist, bin ich etwas erschreckt.

Ich halte mal fest: Wir verlangen „nur“ QA als Voraussetzung.

Allerdings sollte man ´ne Mathematik-Note nicht schlechter als 3 haben – weil – zuverlässig rechnen können ist bei allem, was mit bauen zu tun hat schon kein Schaden. Ach ja – und wir erwarten ´ne Deutschnote von mindestens 3 – weil bei uns auch Schriftverkehr stattfindet mit Kunden, Bauherrn, Formulare auszufüllen sind. Eine einigermaßen zuverlässige Rechtschreibung und Ausdrucksweise und auch Verständnis für Sprache erwarten wir tatsächlich.

Was ich anmerken muß – es IST besser geworden. Bei unserer letzten Suche haben wir nicht nur eine Bewerbung auf einem rausgerissenen Blatt kariertem Papier bekommen…. Diesmal sind eigentlich alle Bewerbungen optisch sauber gestaltet und auch formal recht ordentlich. Offensichtlich sind in den letzten 3 Jahren die Defizite in diesem Bereich in den Schulen thematisiert worden und bei den Schülern kam die Information auch an.

Etwas traurig macht mich, daß so wenig Eigeninitiative spürbar ist. Ich lese in dem Stapel Bewerbungen immer den Satz: „Über die Tätigkeit habe ich mit im Berufsinformationszentrum informiert, wodurch mein Wunsch bestärkt wurde, diesen Beruf auszuüben…..“

Wörtlich….. scheint gerade in den einschlägigen Bewerbungsratgebern der Schlüsselsatz zu sein.
Wir reden über den Beruf des „technischen Zeichners“. Ganz ehrlich – das ist kein besonders emotional besetzter Beruf – wer mir da erzählt, daß es sein Wunsch- und Traumberuf ist, sollte das etwas besser begründen als mit einem Standardsatz.

Wir haben aber eine Webseite, auf der man sich über uns informieren könnte – wird den Azubis ja auch immer empfohlen – und da gäbe es sehr viele Anknüpfungspunkte für Anschreiben. Lese ich bei niemandem.
Ein Kandidat, der gerade einen Vertiefungskurs Mathematik mit Lehrinhalt „Bruchrechnen“ macht, verspürt auch den innigen Wunsch, den Beruf zu ergreifen…ich will das nicht werten – nur – als Technischer Zeichner muß man einfach weiter sein. Und ich würde dem Bewerber keinen Gefallen tun, ihn zu nehmen. Und – da muß man auch ehrlich sein – wir haben im Ausbildungsbetrieb nicht die Möglichkeiten, den Stoff der 6. Klasse aufzuarbeiten.

Bruchrechnen ist wirklich Lehrstoff 6. Klasse. Wobei sich die Frage stellt, wie dieser Bewerber den QA geschafft hat (er wird nämlich das Jahr voraussichtlich mit dem Realschulabschluß beenden).
Was denke ich über jemanden, der bei Hobbys „Internet“ angibt?

Was denke ich, wenn der Bewerber nicht einmal seine eigene Straße oder den Geburtsort korrekt schreibt?

Was für einen Eindruck bekomme ich, wenn jemand seit 10 Jahren die Schule verlassen hat und seitdem jede Ausbildung oder Maßnahme nach wenigen Monaten beendet hat – zudem jedes Praktikum oder Ausbildungsversuch und jede Empfehlung in eine völlig anderen Berufsrichtung geht….

Ist es nicht etwas sonderbar, wenn jemand die Fahrerlaubnis, Krankenfahrstühle zu bewegen angibt?
Ach ja – und bin ich altmodisch, wenn ich „Strategiespiele PC“ nicht für eine erwähnenswerte Fähigkeit halte?

Wir werden sehen, wer bei uns beginnt - unser derzeitiger Auszubildender war ja auch ein Glücksgriff - warum sollte es nicht noch einmal klappen....