Dienstag, 17. Juni 2014

MS Eurodam - Baltische See - 17.06. St. Petersburg

St. Petersburg - das zergeht doch auf der Zunge oder? Was hat man nicht für Vorstellungen von St. Petersburg? Sowie der Name fällt, hat man irgendwie Assoziationen....

Ich hab als Teenie Romane gelesen, die dort spielten - natürlich war alles glamourös, die Heldinnen heroisch, die Stadt spektakulär...

Und die Sowjetzeit - das machte es irgendwie noch spannender. Man hatte ja schließlich keine Ahnung.
Ich hol also ein wenig aus, damit auch die, die an so etwas interessiert sind, ein wenig Recherchearbeit sparen:

Nun gut. Also erstmal die Sache mit dem Visum. Die Reederei will ihre Ausflüge verkaufen, so flatterte uns eine Mail ins Postfach, in der sinngemäß stand: Es gibt 3 Möglichkeiten: Ausflug mit der Reederei, ein Visum besorgen oder an Bord bleiben.

Die 4. Möglichkeit wurde stillschweigend übergangen - nämlich die Tatsache, daß das, was für Ausflüge mit der Reederei gilt, ebenfalls für Ausflüge mit einem lizensierten lokalen Unternehmen gilt:
In manche Städte darf man bis zu 72 Stunden visafrei einreisen - vorausgesetzt, man unternimmt seine Besichtigungen mit einem lizensierten Unternehmen, welches berechtigt ist, sogenannte Tourtickets auszustellen. Dafür braucht es dann nur den im Paß vermerkten Namen - nichtmal die Paßnummer. Man trägt das via einen gesicherten Link, welchen man nach Buchung erhält, in ein Formular ein und kann sich (mind. 2-fach) das Tourticket sofort ausdrucken. Das braucht man dann für den Landgang.
Ein wenig Recherche zeigt: Es gibt einige größere Anbieter, die als zuverlässig gelten (und marktwirtschaftlich arbeiten). Wir haben uns für SPB-Tours entschieden.
https://www.spb-tours.com/

Man kann sowohl individuelle Touren haben (man bucht Guide und Fahrzeug und abhängig von der Teilnehmerzahl kostet es eben) oder man kann sich einer sog. Flatrate-Tour anschließen - da liegt das Risiko, den Bus vollzukriegen bei der Agentur und man bezahlt einen festen Preis.

Da das Schiff ein amerikanisches Schiff war, konnte man so eine Tour nur auf englisch garantieren - was für uns kein Problem darstellte.

Die Preise bei den großen Anbietern sind quasi identisch - es gibt dann natürlich noch andere Reiseleiter, die Minigruppen annehmen und und und.

SPB hat Minibusse für max. 16 Gäste. Ein Riesenvorteil gegenüber den Schiffstouren mit Bussen für 50 Personen! Hier war es weniger der Preis als die kleinere Gruppengröße, die für uns ausschlaggebend war.
Wir haben uns für ein 2-tägiges Komplett-Programm entschieden, das sich St. Petersburg Deluxe nannte und so ziemlich "alles" beinhaltete.
Wenn schon, denn schon, ausruhen können wir daheim.
Das 2-tägige Programm kostete 300 US$ = 220 € pro Person, dazu war die Trinkgeldempfehlung für Guide (10%) und Fahrer (5 %).

Klingt nach ner Menge Holz - relativiert sich aber, wenn man fair anguckt, was inklusive ist:

Tag 1:
08:00 Treffpunkt hinter der Einreisekontrolle im Hafengebäude
08:00 : 09:30 City sightseeing tour. Besuch der U-Bahn
09:45 : 10:30 Peter und Paul's Festung und Kathedrale, dem Begräbnisort der Zaren
11:00 : 11:30 Tragflügelbootfahrt nach Peterhof (Sommer Residence)
11:30 : 13:00 Spaziergang im Park in Peterhof
13:15 : 14:15 Lunch
14:15 : 15:15 Fahrt nach Zarskoje Selo ), Innenbesichtigung mit Bernsteinzimmer
17:00 : 18:00 Rückfahrt St. Petersburg

Tag 2:
08:00 : 08:30 Treffen nach der Einreisekontrolle
08:30 : 09:30 Bootsfahrt auf der Newa
09:30 : 12:00 Gesonderter Früheintritt in die Ermitage.
12:00 : 13:00 Lunch
13:00 : 13:30 Erlöserkirche
14:00 : 15:30 Jussupow Palast
15:45 : 16:30 Besuch St. Isaac's Kathedrale

Inklusive ist dann:
Alle Hafengbühren für die Einfahrt der Busse
Guide und Fahrer
Bus mit Klimaanlage
Eintrittsgebühren zu allen Museen
Früheintritt in die Eremitage
Fotogebühr für alle Museen
U-Bahn-Ticket
eine Wasserflasche für jeden Tag für jeden Gast
Mittagessen mit Getränken
Tragflügelbootsfahrt
Das "Tour-Ticket"

Wenn man weiß, was allein die Visabesorgung für Rußland kostet (etwa 75 € zuzüglich Beschaffung durch eine Agentur), vom Aufwand ganz zu schweigen (es dauert, man braucht eine "Einladung" - die kostet, man muß seinen Finanzverhältnisse offenlegen), genießt schon allein diesen Service.

Die Eintrittspreise für diese "Highlights" sind auch in Rußland happig - ich hatte mir das im Vorfeld angeguckt.... das Tragflügelboot ist auch nicht billig - und die Agentur chartert eins exklusiv für ihre Gäste - also kein kloppen um die Plätze.

Das Programm wurde etwas umarrangiert, da in St. Petersburg oft Staatsgäste sind (Putin liebt die Stadt), werden gerne Sehenswürdigkeiten ohne nennenswerte Ankündigung kurzfristig geschlossen. So war es auch mit der Eremitage - unser Programm wurde so umgestellt, daß wir alles gesehen haben und alle Vorteile hatten, ohne beeinträchtigt zu werden.

Als Individualgast hätte man vermutlich einfach vor verschlossenen Türen gestanden.
Es waren immer Tickets schon besorgt, wir standen nie in Schlangen, kamen wir ins Restaurant, wurde sofort serviert, keine Wartezeiten, keine Verständigungsprobleme und immer eine saubere Toilette (klingt albern - aber wer mal keine hatte, weiß, wovon die Rede ist!)

Uffz - jetzt aber genug des Organisatorischen - hier kommt St. Petersburg!

Das Wetter war morgens immer grau - klarte dann aber im Laufe des Tages auf und war eine wahre Pracht!


Die Eremitage von der Newa aus gesehen:

Wir besuchen die Metrostation Admiralteyskaja
http://en.wikipedia.org/wiki/Admiralteyskaya_%28Saint_Petersburg_Metro%29
Eine der tiefst gelegenen U-Bahnstationen der Welt!


Opulent dekoriert wie auch in Moskau, mit Mosaiken, Fresken, Marmor, Kronleuchtern. Paläste für das Volk sollen es sein!

St. Petersburg wirkt in der Innenstadt oft sehr Pariserisch:


Für uns geht es am ersten Tag gleich in die Eremitage:





Faberge-Eier:


Die Auferstehungskirche:






Hier haben wir dann zu Mittag gegessen:

Ich würde sagen: Solide Hausmannskost russischer Art.
Borschtsch, ein Hack-Auflauf und ein Pudding-Blätterteig-Dessert namens Napoleon, dazu Apfelsaft, Tee, Kaffee, Wasser.

Die Isaakkathedrale:





Peter- und Pauls-Festung


Hier wird heute geprobt für irgendein Militärgelöbnis - wir müssen außen herum - am nächsten Tag wäre vermutlich gesperrt gewesen....



Hier sind die Zaren begraben.

Weil die Überreste der letzten Zarenfamilie nicht eindeutig trennbar ist von der Dienerschaft, die mit ihnen umgebracht wurde, hat man eine "salomonische Lösung gefunden". In die Hauptkapelle dürfen "nur" Zaren. Also wurde eine Seitenkapelle gebaut und die Zarenfamilie mit Dienerschaft hier beigesetzt.

Natürlich besteht St. Petersburg nicht nur aus schmucken schicken restaurierten Altbauten - auch Plattenbau der Sowjetzeit bröckelt vor sich hin - und da die Stadt eine der teuersten der Welt ist wird der Wohnraum dringend gebraucht:



Dabei sind das "gute" Wohngegenden!

Nachdem in St. Petersburg so gut wie alle Passagiere von Bord gehen, wird die Gelegenheit genutzt, den Treibstoff aufzufüllen.

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