Mittwoch, 18. Juni 2014

MS Eurodam - Baltische See - 18.06. St. Petersburg

Heute stand der zweite Teil unserer St. Petersburg-Besichtigungen auf dem Programm.
Die Einreise gibt erheblich schneller vonstatten (wobei man sagen muß - es war nicht kompliziert am ersten Tag - man reichte seinen Paß den Beamten, dazu das "Tourticket". In den Durchgängen waren sogar Markierungen angebracht, womit die Beamten die Größe überprüfen konnten! Gesprochen wurde in der Regel nichts - ich stellte fest, daß die Beamten wohl teilweise kein Wort englisch sprachen - ich hatte irgendwie gefragt, ob sie eine Kopie des Tourtickets behalten müsse - ich hatte extra eine Kopie. Die Dame guckte nur verständnislos. Konversation vermutlich eher unerwünscht).

Aber egal - hinter der Paßkontrolle wartete schon Maria mit unserem Fahrer Sergej auf uns. Alle Mitreisenden waren auch pünktlich, der Himmel trüb wie schon am Vortag - aber warten wir es mal ab - das hat ja schließlich schon einmal gut geklappt.

Für heute war folgendes geplant: Eine Bootsfahrt auf der Newa, dann Fahrt mit dem Hydrofoil (Tragflügelboot) nach Peterhof, Besuch der Gärten. Mittagessen, dann fahrt zum Katharinenpalast nach Zarskoje Selo.

Für die Fahrt auf der Newa hatte die Agentur ein komplettes Boot gemietet - hier war der einzige nicht ganz so erfreuliche Punkt: Nachdem ja nur ein Reiseleiter für die Erklärungen nötig war, blieben die anderen Guides an der Bootsanlegestelle. Blöderweise hatte diese Reiseleiterin einen schrecklich unangenehme Stimme, die zudem mit dem Mikrofon nicht gut funktionierte - es gab ständig Übersteuerungen. Sie sprach außerdem in einem entsetzlich leierndem Singsang. Aber nun gut - so wußten wir Maria umso mehr zu schätzen!




Ein wenig besorgt waren wir - denn Maria hatte uns gewarnt, daß bei schlechtem Wetter eventuell das Tragflügelboot nicht fahren kann (weniger wegen des Bootes - das kann das Wetter ab - aber es wird sehr unerfreulich für die Reisenden - nicht jeder verträgt das gut!)
Nach der Newafahrt wurde uns mitgeteilt, daß das Boot fahren wird - und damit wir nicht im Regen warten müssen, würde es zum überdachten Anleger des Ausflugsbootes umgeleitet. Einige wenige Minuten würde es dauern.
Erleichterung! (ja - Tragflügebootfahren war sowohl für meinen Bruder als auch für mich ein echtes Highlight, auf das wir uns schon richtig gefreut hatten. In St. Petersburg fahren welche vom Typ Meteor.

Die Fahrt beginnt - und es klart ganz langsam auf!

3 Tragflügelboote starten quasi zeitgleich - und wenn sie die Innenstadt hinter sich gelassen haben, geht es quasi auf die "offene See" des Golf of Finland. Und hier sind die Wellen um einiges höher als in der Stadt - womit erklärt ist, warum die Boote nur bei stabilem Wetter fahren.

Mein Bruder und ich machen uns auf den Weg - denn das Schiff besteht aus 3 Kompartements - und zwischen dem mittleren und dem hinteren gibt es einen offenen Bereich, den man während der Fahrt betreten kann.

Wir fahren 70 km/h, der Wind schlägt einen fast um. Aber es ist genial!

Viel zu kurz ist die Fahrt - wir kommen nach etwa 40 Minuten in Peterhof an.
Maria weist uns an "einfach der Masse zu folgen - alle wollen ans gleiche Ziel" - sie spurtet schon vorweg, um die Tickets für uns zu besorgen - so daß wir wieder keine Wartezeiten haben.
Wir sind etwas geplättet ob der Menschenmassen

Aber Maria beruhigt uns - es sammeln sich nur zu Beginn alle an der Hauptachse - denn die große Kaskade wird täglich mit Musik in Betrieb genommen.
Wer sich ein wenig informieren möchte, kann hier sehr gute ausführliche deutsche Informationen nachlesen:
http://www.russlandjournal.de/russland/sankt-petersburg/peterhof/

Die Fontänen des Parks funktionieren übrigens alle ausschließlich mit Schwerkraft - ich zitiere mal: " Das Erstaunliche ist, dass die Fontänen ohne eine einzige Pumpe funktionieren. Die Wasserversorgung basiert auf einem von Zar Peter dem Großen und einem Team von Spezialisten Anfang des 18. Jahrhunderts entwickelten System. Dabei werden unterirdische Wasserquellen und das natürliche Gefälle des Geländes so genutzt, dass die Fontänen ununterbrochen mit Wasser versorgt werden können. Die Große Kaskade von Peterhof ist ein grandioses Bauwerk und eines der weltweit spektakulärsten Wasserspiele."

Ach ja - man sieht - das Wetter wurde viel viel besser!




Das ist eine der beiden Volieren. Früher genossen die Zaren und ihre Gäste hier den Gesang von Nachtigallen oder Drosseln und betrachteten exotische Exemplare wie Papageien oder Kanarienvögel.

Die Sonnen-Fontäne ist wohl technisch eine der schwierigesten Fontänen des Parks

Eine der beiden "römischen Fontänen"

Die Schachbrettkaskade

Die Orangerie

Man hätte hier im Park allein sicher noch Stunden - wenn nicht Tage - verbringen können.
Wir gehen jetzt erstmal zum Mittagessen, bevor unsere Fahrt uns nach Zarskoje Selo/Puschkin führt.
http://de.wikipedia.org/wiki/Katharinenpalast
http://eng.tzar.ru/



Im Spiegelsaal wird für eine Veranstaltung alles aufgebaut und ein Pianist probt.

Nun geht es durch die einzelnen festlichen Salons und Speisezimmer:



Das Grüne ist übrigens Alufolie. Das Verfahren, Alufolie herzustellen war kurz vorher erfunden worden und das war seinerzeit etwas hochexklusives und wertvolles - daher wurde sie in 2 Räumen in verschiedenen Farben verwendet.

Dieses Kleid ist auf diesem Gemälde:


Auf dem Weg aus dem Palast kommt man an einer kleinen Dokumentation über den Wiederaufbau vorbei:

Der Palast war schwerst beschädigt, einige Pavillons im Park komplett zerstört. In den Nürnberger Prozessen wurde dokumentiert, was alles zerstört war:
http://www.nizkor.org/hweb/imt/tgmwc/tgmwc-07/tgmwc-07-64-05.shtml
Was verwunderte, warum ausgerechnet die Kommunisten Zarenpaläste wieder aufbauen ließen. Unsere Reiseleiterin erklärte es so: Zum einen war das eine willkommene "Arbeitsbeschaffungsmaßnahme", außerdem setzte man damit nicht den Zaren ein Denkmal - sondern der Kunstfertigkeit der Arbeiter, die diese Paläste gebaut hatten.
Auf dem Rückweg nach St. Petersburg geriet mein Weltbild ins Wanken - denn wir fuhren auf einer mautpflichtigen Autobahn. Maut - in einem sozialistischen Land!
Tja - man kann entweder sozialistisch im Stau stehen oder kapitalistisch zahlen und fahren....

Ach ja - die: sind auch schon da - ob die jetzt auch vom Boykott bedroht sind?
Weil wir dank kapitalistischer Mautstraße schnell in die Stadt kamen, besuchen wir noch die Große Choral-Synagoge von St. Petersburg:







Jetzt geht es zurück zum Schiff - wir sind nur noch geplättet und voller Eindrücke von St. Petersburg. Man hätte sicher noch so viel besichtigen können - aber für 2 Tage haben wir sicher von der Stadt einen tollen Eindruck bekommen!

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen